Am 27.August 1727 wurde dem Erhard Pasold ein Söhnlein getauft, namens Johann Heinrich. Bei Ausrichtung der Taufmahlzeit ist Feuer durch den gerechten Zorn Gottes, in diesem Hause aufgegangen und 10 Häuser und 10 Scheunen nebst Vieh und eingesammelten Früchten bei großer Dürre in Asche gelegt. Der höchste und große Segen Gottes sei diesen armen Abgebrannten in gnädigem Andenken und ersetzte solch großen Brandschaden wieder mit reichem Segen um Christi Willen. (laut Kirchenbuch)
Der ganze „Winkel“ fiel diesem Brand zum Opfer.
Am 8.Oktober 1806 brannte es wieder, die Franzosen hausten im Dorf. Das Haus des Webers Johann Heinrich Friedrich Brückner, Nr. 53, brannte mit allem Inventar ab und das Nachbarhaus Nr. 54 des Heinrich Phillipp Grimm wurde „angesengt“. Biwakiert wurde auf dem Hof Nr. 43.
1821 brannten Pöhlmanns „Pöhlandreass“ oder Bühlennersch“ neben Ernst Rauh hinter der Kirche ab.
Sie bauten dort nicht wieder auf. Das Feuer entstand durch Unvorsichtigkeit.
Die Frau ging mit einem Kienspan in die Flachskammer um Flachs zu holen.
Der Brand von 1875
In der 3. Nachmittagsstunde des 15.September 1875 brach im Gehöft des Nicol Rau, Haus – Nr.25 Feuer aus, und zwar in einem dürren Streuhaufen. Der Feueralarm und die Sturmglocke machten zum Teil die Leute, die auf der Flur beschäftigt waren, aufmerksam. Es waren meist nur Kinder zu Hause. Die Herbeigeeilten versuchten das Element auf dem Herd nach vieler Anstrengung zu halten, was ihnen jedoch nicht gelang.
Ein Nachbar nach dem anderen musste die Habseligkeiten, soweit es möglich war, aus den Häusern und den Höfen retten, bis die große Gefahr für die Kirche beseitigt war, welche in der Hauptsache die großen Ahornbäume verhüteten, was aus den abgebrannten Seiten derselben noch jahrzehntelang zu sehen war. Die anliegenden Häuser, welche noch stehen geblieben waren, hatten sehr viel unter dem Einwässern zu leiden.
Als der Abend nahte, lagen fünf Wohnhäuser 22 – 26 und Scheunen und Nebengebäude mit voller Ernte in Trümmern. Mit banger Sorge mussten nun Obdachlose und futterloses Vieh im Ort untergebracht werden. Außerdem blieben Krankheit und Folgen der Abgebrannten nicht aus.
Die Ziegel für den Wiederaufbau wurden von auswärtigen Ziegelstreichern gemacht. Haus – Nr.22, Franz Pasold, und Haus – Nr.26, Heinrich Jakob, wurden im Herbst 1875 wieder unter Dach gebaut (die anderen 1876), Nebengebäude erst in den nächsten 3 Jahren.
Im März 1887 gegen 10 Uhr abends brannte durch Brandstiftung die 1885 neu erbaute Scheune des Johann Pfeifer nieder und wurde im selben Jahr wieder aufgebaut.
Ende Juli 1892 stand plötzlich das Doppelhaus Nr.55 und Nr.56, Heinrich Pasold und Franz Grimm, gegen 2 Uhr nachmittags durch einen Essenbrand in Flammen. Es konnte jedoch auf dem Herd gehalten werden. Das neuerbaute Haus – Nr.54 bot Schutz. Es wurde nur das Haus – Nr.55 wieder neu aufgebaut.
17.August 1932 – Brand von 3 Gehöften durch Blitzschlag
In der Tagespresse von damals war unter folgender Überschrift zu lesen:
„Ein verhängnisvoller Blitzschlag“
„Nachts halb drei zuckte ein Blitzstrahl, auf den ein scharfer Donner folgte. Sofort standen die Scheunen von Paul Becher, Gotthold Joachim und Otto Fröhlich in Flammen, welche vom Gewittersturm noch angefacht wurden.
Im Einsatz waren die Feuerwehren Röppisch, Zoppoten, Ebersdorf, Friesau, Remptendorf und der Kreislöschzug II aus Lobenstein. Der Schaden war enorm. Besonders hart traf es den Gastwirt Otto Fröhlich. Nicht nur die neue Ernte und die landwirtschaftlichen Maschinen waren vernichtet, sondern auch das obere Stockwerk des neuen Hauses war abgebrannt und die Gasträume, welche 4 Wochen vorher dem Verkehr übergeben worden waren, durch Wasser geschädigt.“
Im Nachtrag dazu heißt es:“ Nach den schweren Brandfällen der letzten Tage möchte man wünschen, dass die Brandfackel aus dem Kreise Schleiz verschwindet.“
Der letzte Großbrand durch Blitzschlag
Vom 4. zum 5. August 1947, Röppisch Nr. 38, bei Pasold, Hugo.
Trotz massiven Einsatzes der Feuerwehren Röppisch, Ebersdorf, Remptendorf und Lobenstein brannte das Anwesen vollständig ab.
Sämtliche Heuvorräte waren vernichtet worden.
Ergänzungen aus der Zeit um den 30-jährigen Krieg
Fast zum Ende des Krieges werden 1643 genannt:
3 abgebrannte Bauernwirtschaften
Caspar Großner (vorher Georg Wenzel) Wert 250 aßo heute Nr. 47
Matthes Rau wie Caspar Großner heute Nr. 48
Hans Werner (Herren Lehn) Wert 300 aßo Teile Nr. 49
Hans Häßler „Frongut ganz abgebrannt“ Wert 72 aßo Teile Nr.49
2 Kleinhäuser „wüst“:
Hans Groß, Lage unklar
Jobst Pasold, Lage unklar
1 Kleinhaus baufällig:
Michel Drechsel, Schmied
(aßo = Gulden)
Bereits 1624 brannte Hans Pasold, genannt Weißkopf, ab. (heute Nr. 25). Er baute im gleichen Jahr neu.
In allen Fällen sind keine näheren Angaben vermerkt. Ortsangaben sind schwierig; auf keinen Fall lagen die unbekannten Brandstellen im heutigen unteren Dorf. Es brannte oft und ein kleines Häuslein war damals schnell wieder gebaut. Nicht alle Brände sind überkommen.
Möglich wäre der heutige Komplex von Gaststätte Hölzer bis Pöhlmann Nr. 34. Der Bereich Hölzer bis Pöhlmann hieß 1755 „Gewittergarten“ und bis ins 20. Jh. führte dort ein Weg längs hindurch. Die Bebauung erfolgte schrittweise mit 4 Kleinhäusern von ca. 1760 bis 1820. Im Jahre 1821 zog der Hof Pöhlmann nach einem Brand im „Winkel“ dorthin um. Der Hof auf Nr. 43 (ehemals Klostergut) wurde erst 1825 wieder aktiviert.
Es war die größte Brandkatastrophe, die überliefert wurde.
Ein Drittel des Dorfes lag in Schutt und Asche!
Die Not war groß.
Hier eine Zusammenfassung offizieller Berichte in gekürzter Form:
Am 27.08.1727 ließ Erhard Pasold, Nr. 27, sein Söhnchen Johann Heinrich taufen. Besitzer dieses Hofs war noch Hans Pasold. Auf dem Hof Nr. 27 hatte auch noch Johann Erhard Pasold seine kleine Wirtschaft.
Entgegen der herrschaftlichen Festlegungen wurde noch am 28.08. „guten Muts“ gefeiert. Als sich Gevattern und Gäste nebst Pfarrer Wächter und Schulmeister Dittmar (beide Zoppoten) versammelt hatten, brach gegen 4 Uhr Nachmittag in der Esse des Hauses der Brand aus.
Bei großer Hitze und begünstigt durch die Schindeldächer standen binnen einer halben Stunde 10 Höfe in Flammen. Zum Glück drehte der Wind. Trotzdem lagen nach 2 Stunden 9 Wohnhäuser und 10 Scheunen und Ställe in Schutt und Asche. Fast die gesamte Ernte war mit verbrannt; weniges Getreide und das Grummet sowie Flachs waren noch draußen.
Von Verlusten an Vieh wird nichts überliefert, was vermutlich der Tageszeit zu verdanken war.
Die Bewohner konnten nur wenig retten. Vielen verblieb nur das, was sie am Leibe tragen. Einige waren verzweifelt. Ein Erhard Pasold erhängte sich einige Tage später, offensichtlich der o.g. Aber in den Kirchenbüchern sind Selbstmörder nicht vermerkt. Auch der Pfarrer wurde gemaßregelt. Hilfsmaßnahmen liefen an: Steuererlass für 2 Jahre; Lieferung von Brot- und Saatgetreide; Genehmigung für Bauholz und Schindelbäume aus dem „Streitwald“ (heute „Burgkwald“) u.v.m. Dazu wurden auch die Nachbarorte herangezogen, je nach Zugehörigkeit der Geschädigten zum Rittergut „Unter Zoppoten“ (8) oder Ebersdorf (2). Ein Antrag auf „Gräserei“ im Streitwald wurde abgelehnt, da das Grummet noch auf den Wiesen stand. Doch das Leben ging weiter. Die Ernte musste abgeschlossen werden und der Wiederaufbau begann. Die eine Hälfte der Nr. 27 blieb liegen, auf der anderen wurde der Schmied Müller aktiv. Auch Hofübergaben wurden beschleunigt z.B. Nr. 28 Höpfner an Rau und Pöhlmann im Hof der Nr. 25. (Die Bewertung war jetzt niedriger.)
Festlegungen der Obrigkeit u.a.:
Jährliche Feuer-Inspektion
Feueressen dürfen erst über den Schindeln enden
Aufstellung lt. „Verzeichnis vom 9. Januar 1728“ (gekürzt)
Hans Pasold „bei welchem das Unglück aufgegangen“ Nr. 27
Wohnhaus, Scheune und alles verbrannt; nichts gerettet; Wagen, Pflug, Eggen, Möbel, Kleider und Betten verbrannt
Schaden ~ 300 Thaler
6 Fuder Heu; 1 Fuder Schoten (Erbsen)
6 Schock Korn (Garben)
5 Schock, 1 Mandel Gerste
1 Schock, 2 Mandel Haber
1 Schock, 3 Mandel Weizen
Johann Erhard Pasold, nächster Nachbar Nr. 27
auch alles verbrannt
Schaden ~ 200 Thaler
4 Fuder Heu, 2 Fuder Schoten
5 Schock und etwas Korn
4 Schock Gerste
3 Mandel Weizen
Hans Höpfner, der obere Nachbar Nr. 28
auch alles verbrannt; hatte ein „Feines großes Haus“!
Schaden ~ 400 Thaler
10 Fuder Heu, 2 Fuder Schoten
11 Schock Korn
1 Schock, 2 Mandel Weizen; 1 Schock Sommerweizen
5 Schock, 2 Mandel Gerste
3 Schock, 2 Mandel Haber
Hans Peter Pasold, Hufschmidt Nr. 26
auch alles verbrannt; hatte ein gesegnetes Jahr und ein „schönes Wohnhaus“; Schmiede-Blasebalg verbrannt ebenso Werkzeuge
Schaden ~ 450 Thaler
10 bis 12 Fuder Heu, 1 Fuder Schoten
10 Schock Korn
14 Schock, 1 Mandel Gerste
1 Schock Weizen
2 Mandel Haber
Sein im Haus mit wohnender Bruder, ein Dienstknecht im Eisenhammer verlor auch alles, u.a. Kleidung und Bargeld Schaden ~ 100 Thaler
Johann Georg Schlegel Nr. 25
Wohnhaus, Ställe und Scheune verbannt incl. Pflug, Eggen, alle Hausgeräte, 4 Fässer Bier und 1500 neue Schindeln
Andreas Pöhlmann „Reitzensteinischer Gerichts Schultze“ im Hof Nr. 25
2 Wohnhäuser mit Stockwerken (Vater und Sohn) Häuser, Stall und Scheune und 2 Pflüge verbrannt. Er war mir der reichen Ernte fast fertig. Einiger Hausrat und Kleider wurden herausgebracht, aber zu meist von bösen Leuten gestohlen. Der Sohn war Hans Nicol Pöhlmann.
Schaden ~ 1000 Thaler
12 bis 13 Fuder Heu
14 Schock Korn
16 Schock Gerste
4 Schock Haber
3 Mandel Weizen
5 Schock Flachs
Hans Nicol Pasold Nr. 24
außer Wohnhaus, Ställen und Scheune verbrannte 1 Egge, vieles Hausgerät und 2000 neue Schindeln (zu Rittergut Ebersdorf)
Schaden ~ 400 Thaler
9 Fuder Heu, 4 Fuder Schoten, 1 Fuder Wicken
8 Schock Korn
2 Schock Weizen
11 Schock Gerste
1 Schock Haber
Heinrich Pasold Nr. 23
Großes Wohnhaus, Ställe und Scheune verbrannt, dazu vieles Hausgerät (zu Ebersdorf)
Schaden ~ 400 Thaler
9 Fuder Heu, 3 Fuder Schoten
8 Schock Korn
1 Schock , 2 Mandel Weizen, 3 Mandel Sommerweizen
8 Schock Gerste
1 Schock, 2 Mandel Haber
Hans Nicol Grimm Nr. 22
Wohnhaus, Ställe und Scheune verbrannt, dazu noch etwas Hausrat und 600 neue Schindeln
Schaden ~ 250 Thaler
4 Fuder Heu, 1 Fuder Schoten
6 Schock Korn
1 Schock Weizen
7 Schock, 2 Mandel Gerste
Georg Jochma (Joachim) mit auf dem Hof oder gemeinsam
Schaden ~ 200 Thaler
Dillich Pasold Nr. 21
ist nur die Scheune mit Ernte verbrannt. Das Wohnhaus wurde abgedeckt und teils oben abgerissen und dadurch gerettet worden.
Schaden ~ 200 Thaler
11 Fuder Heu, 2 Fuder Schoten verbrannt
4 Schock Korn verbrannt, das übrige ist „ausgeworfen“ worden
13 Schock Gerste verbrannt
1 Schock Weizen wurde gerettet
2 Schock Haber verbrannt
Ihm wurde die Steuer daher nur zur Hälfte erlassen.
Desgleichen ist das Häuslein von Hans Pöhlmann durch „Abdecken“ dem Unglück vorgebaut worden. Nr. 19/20 (Garten Storz)
Anmerkungen:
Durch die damalige Baulücke rechts der Nr. 28 konnte das Feuer nicht weiter ins Dorf übergreifen.
Auch unterhalb der Nr. 21 hatte das Feuer einen natürlichen Halt durch das Tal mit dem Dorfbach und der Straße nach Zoppoten.
„Brandbriefe“ waren eine amtliche Maßnahme zur Unterstützung der Geschädigten. Damit konnte in der Nachbarschaft und in den anderen Orten Reuß ä.L. eine Art Brandsteuer eingesammelt werden; er galt ein halbes Jahr. Hier erbot sich ein Bürger aus Greiz mit Namen Vogel, diese Aufgabe gegen Provision zu übernehmen. Die Geschädigten unterschrieben und die Regierung in Greiz bestätigte dieses Verfahren. Es wurden 12 Briefe gesiegelt denn im Haus Nr. 22 und bei Pöhlmann wohnten je 2 Familien.
Bemessungsgrenze für die Steuern war das Jahr 1707.
Die Schadensaufstellung über den Großbrand von 1727 gibt einen tiefen Einblick in die damalige Landwirtschaft
Das Jahr 1727 wird als gutes Erntejahr angesehen.
Die 10 abgebrannten Wirtschaften hatten im ø ca. 16 ha.
Ernteergebnis: im ø: 9 Fuder Heu
2- 3 Fuder Grummet
9 Schock Korn = 540 Garben
10 Schock Gerste = 600 Garben
1 ½ Schock Hafer = 90 Garben
1 ½Schock Weizen = 90 Garben
2 ½Fuder Schoten / Wicken / Linsen / Flachs
Die Hackfrüchte waren noch im Boden; meist in einem Gemüsegarten auch „Kleinot“ genannt.
Etwas später (1742) wird ein Kartoffelfeld erwähnt (Haus Nr.25).
Viehbestand der Abgebrannten (Juni 1727)
Haus
Name
Pferde
Ochsen
andere
Schafe
Bemerkung
Nr.
Rinder
27L
Hans Pasold
0
2
2
2
Brandherd
27R
Joh. Erhard Pasold
0
2
2
0
28
Hans Höpfner
0
2
6
12
26
Hans Peter Pasold
0
3
2
12
Hufschmidt
25
Joh. Georg Schlegel
0
2
3
4
25 a
Andreas Pöhlmann
1
0
4
0
Schulthes
24
Hans Nicol Pasold
0
2
3
9
23
Heinrich Pasold
0
3
2
4
22
Wilhelm Grimm
0
2
2
0
21
Dillich Pasold
0
4
4
14
mit Nr.43
Die Wirtschaften hatten durchschnittlich 2 Zugochsen, 3 andere Rinder und 6 Schafe.
Schweine sind für dieses Jahr nicht mit aufgeführt. Ursache könnte eine Seuche sein; üblich waren allerdings auch nur ein bis zwei Schweine. Erfasst wurden meist nur Jährlinge.
Eine stabile Wasserversorgung von Mensch und Vieh war die wichtigste Voraussetzung zur Anlage eines Dorfes. Erst danach kamen die Nutzflächen. Von Anfang an spielte in Röppisch der Dorfteich eine wichtige Rolle. Noch zu Beginn des 20. Jh. wurde das Vieh dorthin zur Tränke getrieben. Für die menschliche Versorgung wurden frühzeitig Brunnen gegraben und fast jeder Haushalt hatte seinen eigenen. Um 1830 bestanden im Dorf 4 größere Brunnen ähnlich denen, die wir noch in Zoppoten oder Schönbrunn sehen können. Deren Standorte sind nicht überliefert, aber sie dürften über das Dorf verteilt gewesen sein; zumindest einer stand oberhalb des Teiches.
Das reichte aber nicht mit zum Brauen, nachdem dieses nicht mehr im Brauhaus am Unteren Teich sondern auf dem Hof von Pasold – „Mühlhans“ stattfinden sollte. (Nachweislich bereits 1789 befand sich das Brauhaus oberhalb der Haus-Nr. 10 und 11.) Diesem Pfarrbauern oblag das Brauen vom Kloster her. Um diese Zeit hatte der Altbauer Georg Pasold den Hof an seinen Sohn Nicol Pasold (Amtsschulze) übergeben, aber sich das Brauen vorbehalten. Auf beider Initiative hin wurde nun 1829 eine Holzröhrenleitung vom „Stäudigt“ herein gelegt, aber sie versagte. Daraufhin sollte das alte Stollensystem auf dem „Röppischer“ angezapft werden. Viele waren mit dem Hinweis auf obige 4 gute Brunnen dagegen.
Die „Mühlhansen“ setzten jedoch ihr Vorhaben im Amt Burgk durch. Vater Georg erwarb für 100 Taler und 4 Groschen das Recht auf 6 Linien Wasser (offensichtlich rd. 13 mm Wasserpegel) und der Sohn borgte 38 Taler und 1 Groschen für die Leitung. In einer Gemeinschaftsleistung der Gemeinde wurde die neue Holzröhrenleitung ins Dorf verlegt. Sie endete im Hauptbottich unter der Dorflinde. Am 8. März 1832 floss zur Freude fast aller Röppischer das Wasser. Eine Hochzeitsgesellschaft auf dem Hof Nr. 47 zerstörte jedoch die Zuleitung. Die Quelle entsprang auf einer Fläche dieses Hofes. Nach einem Vergleich erhielten die Höfe Nr. 47 und 48 nun jährlich 2 Taler, 1 Groschen und 8 Pfennige. Diese Wasserleitung übertraf alle Erwartungen. Im Jahre 1908 wurden die Holzröhren durch eine Druckwasserleitung aus Eisen ersetzt. Die Einweihung erfolgte am 20. Dezember 1908; die Satzung ist noch vorhanden. Bis 1911 wurden auch die Haushalte angeschlossen. Das Bassin steht auf der Wiese der Wirtschaft Nr. 48; dafür bekam der Besitzer Paul Becher z.B. 1919 3,10 RM Wasserzins.
Brauen und Ausschank
Bier war bei unseren Vorfahren ein Nahrungsmittel für Groß und Klein. Es hatte mit unserem heutigen Pilsner wenig zu tun. Über den Alkoholgehalt gibt es keine verlässlichen Angaben.
An Massenprodukten wurden dafür Gerste, Wasser und Brennholz gebraucht.Es heißt dazu
1594/96 im „Roten Buch“ ….Die Einwohner dieses Dorfes dürfen Brauen soviel sie wollen…
Das führte vielleicht mit zum Ausspruch unserer Nachbarorte – „Röppisch das sündige Dorf“. Genauere Angaben über Mengen liegen nicht vor, aber der Verbrauch muss beachtlich gewesen sein; Maßeinheit war der „Eimer“ = 68 Liter.
Z. B. war bei der Einquartierung 1631 (299 Personen) bereits nach 3 Tagen das Bier alle und aus Saalburg mussten auf Gemeindekosten rd. 1800 Liter nachgeholt werden.
Die Malzdarre stand auf dem Dorfplatz (Abriß 1892). Diese Stelle heißt immer noch „Darre“.
Das Brauhaus stand am Unteren Teich (Abriß 1851). Zur Mindestausstattung gehörte:
Eine Schrotmühle zum Zerkleinern der gekeimten und gedörrten Gerste (Malz)
Ein Maischbottich; hier wurde das zerkleinerte Malz mit heißem Wasser verrührt (Maische).
Eine Braupfanne aus Metall (meist Kupfer) zum Kochen der Maische.
Ein Gärbehälter und diverse Kleinwerkzeuge. Der Brauvorgaung dauerte 3 bis 4 Wochen.
Der Ausschank erfolgte lange Zeit über die Gemeinde und ging reihum wie in anderen Dörfern auch.Die Gemeindeschänke brachte 1860 nur 6 Thaler und 1865 22 Thaler.
1869 Schankkonzession für Johann Pfeifer (Ausgangspunkt für heute Hölzer)
1886 Schankkonzession für Louis Fröhlich ( heute noch Fröhlich)
Damit hatte sich die Gemeindeschänke aufgelöst. Jetzt kam das Bier von kommerziellen Brauereien. Pro Hektoliter erhielt die Gemeinder 45 Pf. Biersteuer. Das waren z.B. 1907 insgesamt 113,40 RM – Pfeifer 134 hl. und Fröhlich 118 hl.
Wasserleitungsbau ab 1908
Am 19.10.1908 erfolgte der Vertragsabschluss zwischen der Gemeinde Röppisch, Gemeindevorstand Louis Pasold (Nr. 38) und der Firma des Bau-Ing. Schmitz aus Plauen.
Gesamtsumme: 23 000 RM (Das Landratsamt überprüft die Summe im Januar 1909 und sieht sie als zu hoch an; aber es bleibt dabei.)
Die Gemeinde nimmt ein Darlehen auf = 20 000 RM, 4¼% Zins, Laufzeit 10 Jahre
Bereits am 20.12.1908 ist die Druckwasserleitung aus Eisen fertig und ersetzt die alte Holzröhrenleitung bis zum Bottich am Dorfteich.
Am 31.12.1908 tritt der Gemeindevorstand Louis Pasold zurück und es übernimmt Hermann Pöhlmann (Nr. 42).
Ab Februar 1909 können die Bürger ihr Interesse für einen Hausanschluss anmelden.
Am 22.02.1911 ist alles fertig und die Wasserleitung geht in den Besitz der Gemeinde Röppisch über.
1910 untersuchte Prof. Gärtner aus Jena das Wasser und befand es als gut.
Quellschüttung = 45 Kubikmeter am Tag
Am 24.05.1911 bewilligt der Regent 150 RM für den Ankauf der Wiese mit der Quelle von Nr. 47.
Nach der Urkunde von 1325 dürfte es so gewesen sein:
Albert Wiebel 1 Manse heute Nr. 1
Hermann vorn Richzen 1 Manse heute Nr. 2
Conrad sein Bruder 1 Manse heute Nr. 3/6
Der Hirte mit einer 0,5 Manse heute Nr. 7
Die bereits 1318 gestiftete Manse ist vermutlich die heutige Nr. 8.
Alle Grundstücke der Nr. 1 bis 8 lagen und liegen nebeneinander; kleinere Abweichungen stammen aus späteren Ereignissen wie Käufen und Heiraten.
Nr. 9 war von alters her ein Pfarrgut und umfasste ursprünglich das gesamte Flurteil „Stück“. Es fehlen die Gelängen in der alten Flur von Röppisch und der sonst übliche Parallelhof.
Im Jahre 1481 vergab ein von Draxdorf 2 Scheffel Korn (knapp 300 kg) an den Frühmessner zu Saalburg. Damit wurde Nickel Bayreuther aus Röppisch beauflagt; 1540 wird Nickel Horn mit der gleichen Abgabe benannt. Das war unter Beachtung der geringen Erträge viel und könnte dem bekannten Zehnt entsprochen haben. Nach 1564 verliert sich dieser Vorgang.
1533: Durch das bei der Durchführung der Reformation federführende Sachsen (Meißen) wurde verfügt, dass das bisherige Kircheneigentum in irgendeiner Form der neuen Kirchenorganisation erhalten bleibt.
Denn einige Feudalherren hatten großes Interesse daran und z.T. schon zugegriffen.
Nr.6 und 7 gingen nach 1564 schrittweise an das Rittergut Ebersdorf, also letzten Endes wieder an die Reußen. 1594 berichtet ein Verwalter stolz, er „habe seit der Teilung 2 Herdstette darzu bracht“. Allerdings hatten beide noch1744 jährlich je 2 aßo (Gulden) nach Saalburg zu zahlen.
– „Pfarre Zoppoten“
Nr.8 Nickel Oßwald der Junge
Nr.9 Hans Soffa
Erst 1901 wurden die „Kirchgefälle“ gegen eine Geldzahlung abgelöst. Durch Vererbungen erschienen zuletzt 4 „ Pfarrbauern“ (Nr. 6,8,9 u. 42).
Den Rest der „Klostergefälle“ in Röppisch hatten sich die Reußen selbst gesichert und mit ihrem bisherigen Besitz verbunden. Das waren um1600 die Hofstellen Nr.59, 1, 2 und 3. Diese hatten umfangreiche Fronarbeit auf dem Gut der Reußen in Gräfenwarth zu leisten, u.a. acht Tage ackern mit zwei Pferden. Das Gut gehörte bis 1564 zum Kloster.
Anmerkungen:
Die beachtliche Stiftung von 1325 war offensichtlich politisch bedingt.
Von 1314-1316 und 1320 tobte der sogenannte „1.Vogtländische Krieg“, auch „Bruderkrieg“ genannt. Die Herren von Gera (Reußen) hatten die rechtmäßigen Herren, die von Lobdeburg, gewaltsam aus dem Oberland verdrängt. Es gab große Verwüstungen und Menschenverluste. Auch die Burg Saalburg als ein Sitz der Lobdeburger wurde in Mitleidenschaft gezogen, was archäologische Grabungen in den Jahren 2007/08 bestätigen.
Für den heutigen Besucher ist ein „Flak“ – Bunker aus dem 2. Weltkrieg unmittelbar davor die einzige Orientierung. Das sogenannte „Alte Schloss“ liegt auf einem Bergsporn gegenüber der Bleiloch-Sperrmauer. Zur Ebene hin sind Reste eines Walles und eines Grabens sichtbar. Mit einiger Phantasie sind dahinter zwei mögliche Gebäudegrundrisse von ca. 6x6m auszumachen. Der Begriff „Schloss“ ist stark übertrieben, denn der vorhandene Platz ist gering. Im Jahre 1825 heißt es in einer „Beschreibung des Vogtlandes“ dazu: „…eine Befestigung, die durch einen von Hang zu Hang reichenden, 65 Schritt langen, 10 Fuß breiten, in der Mitte noch 4 Fuß tiefen Graben von dahinterliegendem Gelände abgetrennt ist. Funde sind nicht bekannt.“ (ca. 40m lang, 3m breit, 1,2m tief). Heute ist natürlich noch weniger zu sehen. Einige Röppischer haben dort auch mehr oder weniger heimlich gegraben, z. B. halboffiziell 1940, aber es wurde nichts gefunden.
Leider gibt es keine verlässlichen Angaben über den Ursprung des „Alten Schlosses“. Im Jahre 1071 streift eine Beschreibung der „Südgrenze des Orlagaus“ unsere Gegend. Hier heißt es auszugsweise und den Realitäten angepasst: Döbritz- Metschawa (Daumitsch?)-Eßbach-Einmündung der Wisenta in die Saale (Walsburg)-diese aufwärts bis zur Einmündung des Baches von Retzsch/Reuz /Röppisch (unterhalb des „Alten Schlosses“) -ein weiteres Bächlein aufwärts und weiter bis Eliasbrunn – . Um das Jahr 1200 fassen die Herren von Lobdeburg hier Fuß und errichten mit der Saal-Burg ihr neues Machtzentrum. Weder in diesen beiden Fällen noch in den Unterlagen des um 1310 gegründeten Klosters wird das „Alte Schloss“ erwähnt. Seine Entstehung und das Ende fallen demzufolge in eine ältere Zeit, vermutlich in das 9./10. Jahrhundert. Lediglich eine Sage – abgedruckt im „Schatz unter dem Stelzenbaum“ von G. Wachter – fabuliert darüber.
Tatsächlich weist der gewählte Standort auf eine militärische Funktion hin. Die Sicht in das weite Saaletal, in das Wetteratal und entlang des Retzschbaches – heute alles Stausee – ist ideal. Der Schwerpunkt lag offensichtlich auf der Sicherung der weit und breit bequemsten Saalefurt kurz vor dem Eintritt der Saale in ihr schwer passierbares Felsental. Dort befindet sich nicht von ungefähr die jetzige Staumauer.
Seit Karl dem Großen galt ab 805 die Saale über weite Strecken als politisch-militärische Ostgrenze des Frankenreiches, aber nicht als Siedlungsgrenze. Westlich der Saale siedelnde Sorbengruppen waren voll integriert.
Nach der Reichsteilung im Jahre 843 entstand das Ostfrankenreich, aber die östlichen Sorben und Böhmen nutzten diese Schwächephase zu vermehrten Überfällen aus. Daher wurde 849 die Sicherung der Sorbengrenze durch den „Limes sorabicus“ organisiert.
Dazu wurden die Saale aufwärts kleine Grenzburgen errichtet. Sie bestanden meist nur aus einem Wachturm mit Wirtschaftsgebäude in Holz-Erde-Bauweise; gesichert durch Graben, Wall und Palisade. Die Besatzungen waren klein und dienten eher der Beobachtung und Vorwarnung. Daher liegt es nahe, dass die sorbische Siedlungskammer mit Pöritzsch, Zoppoten, Röppisch, Friesau und Unterlemnitz planmäßig angelegt wurde; sozusagen zur Versorgung und Rückendeckung. Der befestigte Rundling Röppisch lag am nächsten dahinter und zudem an der wahrscheinlichen Zufahrt zum „Alten Schloss“. Als Nachbaranlage dürftedie Walsburg an der Einmündung der Wisenta in die Saale anzusehen sein. Auch hier befindet sich eine günstige Furt.
Im Raum Saalfeld befand sich das nächste fränkisch-frühdeutsche Machtzentrum dieser Zeit. Hier hatten die Markherzöge des „Limes sorabicus“ einen Stützpunkt. Wollten oder mussten diese gegen die Sorben oder Böhmen ziehen, bot sich als eine der Marschstrecken die über Rauschengesees / Gahma – Eliasbrunn – Friesau – an Röppisch vorbei („Alter Weg“) – der Tallinie folgend bis zur o. g. Furt durch die Saale an. Unter dem Schutz des „Alten Schlosses“ wurde die Grenze nach Osten passiert. Nicht zufällig folgten erste christliche Missionare von Saalfeld aus später dieser Strecke. Eliasbrunn und Friesau werden dabei genannt.
Über die Markherzöge gibt es konkrete Nachrichten, auch wenn genaue Ortsangaben selten sind.
849 – 873 Tachulf; spricht sorbisch; wird 861 im Besitz des Ländchens „Sarowe“ = Syrau bestätigt.
873 – 877 Radulf; gegen Sorben gefallen.
877 – 892 Poppo; als 880 östliche Sorben reichstreue Sorben an der Saale überfallen, „schlägt er diese schwer“.
893 – 897 Conrad; Ungarneinfälle beginnen; Sorben trifft es zuerst.
897 – 908 Burchardt; fällt am 03.August 908 bei Saalfeld gegen die Ungarn.
Diese Funktion wird nicht mehr besetzt, Chaos entsteht. Ab 912 nimmt sich der mächtige Sachsenherzog Otto selbst dieser Grenze an. Dessen Sohn Heinrich wird bekanntlich 919 zum 1. Deutschen König gewählt. Ihm gelingt 929 die Eingliederung der Sorben bis zur Elbe.
Die Burg Meißen wird gegründet. Zur Ungarnabwehr verstärkt er u. a. den Burgenbau; ein Schwerpunkt blieb dabei die Saalelinie. In den Jahren 933 (Unstrut) und 955 (Lechfeld) wird die Ungarngefahr gebannt.
Danach verliert die Saalelinie ihre Grenzfunktion und unser Gebiet wird Hinterland. Es gehört ab 965 zur neu gegründeten Mark Zeitz. Das „Alte Schloss“ wird aufgegeben und verfällt. Nach der Auflösung der Mark Zeitz um 1150 vergab der Kaiser das Oberland an Ministeriale.
Dazu zählten die o. g. genannten Lobdeburger, Stammsitz Jena- Lobeda.
Hier noch einmal zur Erinnerung Passagen aus der Sage über den Untergang des „Alten Schlosses“ nach Günter Wachter in seinem Buch „Schatz unter dem Stelzenbaum“:
„Einmal aber trat auf der Burg Hohndorf ein Ritter die Herrschaft an, der von Jugend an gemein war, für die Bauern nur Verachtung übrig hatte und ein lasterhaftes Leben führte. Begegnete er einem, der ihm nicht gleich aus dem Wege ging, so schlug er ihn mit seiner Reitpeitsche ins Gesicht oder hetzte seine Hunde auf ihn. Zudem hielt er sich ein Weib, von dem die Bauern erzählten, es wäre ein der Zauberei mächtiges Waldweibchen.
Als nun in einem Jahr eine große Dürre über das Land kam und ein Jahr darauf ein verheerender Hagelschlag die gesamte Ernte vernichtete, gaben die Bauern die Schuld an diesem Unheil dem Burgherrn mit seinem sündhaften Leben, und sie beschlossen insgeheim, bei günstiger Gelegenheit ihn und sein Zauberweib zu töten. Da sie dann einmal von den Knechten erfuhren, dass der Herr wieder einmal von dem vielen schweren Wein betrunken wäre, sahen sie ihre Stunde gekommen. Die von ihrem Herrn misshandelten Knechte schlossen sich den Bauern an, öffneten die Tore, und gemeinsam drangen sie in die Burg ein. Sie fanden den grausamen Herrn auch in voller Trunkenheit bei seinem bösen Weibe. Als dieses aber sah, dass es den Bauern und Knechten ernst war und es kein Entrinnen mehr gab, zog sie einen Dolch, mit dem sie zuerst ihren Gemahl und dann sich selbst erstach. Dabei verfluchte und verwünschte sie tausendfach Schloss und Burg.“
Sagen haben in der Regel einen realen Kern.
Hier könnte es so gewesen sein, dass mit dem Wegfall der Grenzfunktion der Saalelinie im 10. Jh. die Besatzung statt die Dörfer zu schützen nun zu einer Belastung derselben wurde.
Über die Anfänge der Christianisierung im Oberland ist wenig bekannt. Jedenfalls war es im 9. Jh. Bestandteil des Ostfrankenreiches und damit im Prinzip römisch-katholisch. Historiker bezeichnen unser Gebiet lediglich als „deutsches Interessengebiet“ oder als „germanisch-sorbische Durchdringungszone“. Machtfragen standen somit im Vordergrund, während die Christianisierung schleppend verlief. Nur Saalfeld und Umgebung war schon vor 900 ein frühdeutscher Brückenkopf, der kirchlich dem Dom zu Erfurt direkt unterstand. Erst im Jahre 968 entstanden Missionsbistümer an der damaligen deutschen Ostgrenze. Das heutige Ostthüringen gehörte zum Bistum Zeitz (ab 1028 Sitz Naumburg).
Ein erstes Kloster in unserer Nähe entstand um 1070 in Saalfeld. Die Mönche bezeichneten die Bevölkerung des Waldgebirges – zumeist Sorben – als halbheidnisch. Von Saalfeld aus setzte dann auch die christliche Missionierung nach Süden ein und erreichte u.a. Rauschengesees, Eliasbrunn und Lehesten. Vom Süden her missionierten die Bistümer Bamberg und sogar Regensburg; sie erreichten die Linie Arlas und Gefell.
Übrig blieb ein schmaler Streifen um das heutige Lobenstein, Saalburg und Schleiz. Das war der Südzipfel des Bistums Zeitz/Naumburg. Bei Zeitz wurde 1114 das bedeutende Kloster Bosau gegründet und in die Missionierung wie auch die Landesverwaltung einbezogen. Die endgültige Durchsetzung der Feudalordnung ab 1100 und die Vervollkommnung der Kirchenorganisation gehörten untrennbar zusammen.
Leider fehlen konkrete Aussagen über diese Vorgänge des 12. Jh. in unserer näheren Umgebung. Vor allem ist unklar, wer das Sagen hatte und wo dessen Sitz war.
Erst die Belehnung der Lobdeburger im Jahre 1204, unter anderem mit dem Gebiet um das heutige Saalburg, bringt erste gesicherte Nachrichten. Bis 1216 entsteht die Burg Saalburg mit einer Kapelle. Bereits 1222 wird der Ort Saalburg und 1240 ein „Territorium Saalburg“ genannt. Die Lobdeburger erwerben sich große Verdienste beim Landesausbau, aber sie sterben 1240 im Mannesstamm aus. Ihr Erbe übernehmen ab 1248 schrittweise die Vögte von Gera, jedoch nicht ohne Kampf.
Als älteste Kirche der Umgebung wurde im Jahre 1223 die von Kulm durch die Bischöfe von Havelberg und Naumburg geweiht. Das könnte auf einen symbolischen Abschluss des Aufbaus der Kirchenorganisation hindeuten. Nicht auszuschließen wäre auch, dass hier zuvor ein heidnisches Heiligtum bestand. Der Berg „Kulm“ ist prägnant genug. Vielleicht ist die Gründung des Klosters kurz um 1310 gerade an dieser Stelle kein Zufall.
Nach der Chronik von Zoppoten soll ein Vorgängerbau der dortigen Kirche bereits im 10. Jh. bestanden haben, aber das ist nicht sicher. Organisatorisch war die Kirche Röppisch schon immer eine Filial von Zoppoten. Zum Kirchspiel gehörte und gehört außerdem Pöritzsch. Um 1350 waren zeitweilig noch Schönbrunn und Remptendorf angeschlossen, während in dieser Zeit Friesau zu Lobenstein gehörte.
Die Kirche Röppisch wird von Kirchenhistorikern als eine romanische Gründung aus der Zeit um 1200 angesehen. Sie trägt den Namen von Sankt Wolfgang, einem Heiligen aus dem Bistum Regensburg. Dieser war der Schutzheilige für Waldarbeiter, Köhler, Jäger und Kirchenbauer. Er lebte von 924 bis 994. Sein Todestag ist der 31. Oktober, worauf der Kirmestermin von Röppisch eigentlich zurückgeht.
Mit Errichtung der Kirchen wurde die Erdbestattung auf „Geweihtem Boden“ (Kirchhof) zwingend vorgeschrieben.
Parallelen zur Kirche von Kulm sind unübersehbar. Beides waren ursprünglich Wehrkirchen und vor allem ähneln sich die alten Kirchentüren. Die prächtigen schmiedeeisernen Beschläge von Kulm wurden in Röppisch etwas einfacher nachempfunden. Sie künden noch heute von der Kunstfertigkeit der damaligen Schmiede.
Kirchentür
An dieser Stelle einige Gedanken zum Dörfchen „Hohndorf“ (siehe Beitrag Hohndorf).
Eigenartigerweise verfügt die Kirchgemeinde Röppisch über zwei Stücke Kirchenwald, beide liegen im Flurteil Hohndorf. Beim Betrachten der Flurkarte ist zu erkennen, dass das kleinere Stück mit 0,44 ha eindeutig zum ehemaligen Dorf Hohndorf gehörte. Kirchenrechtlich heißt das, es war dort zumindest eine Kapelle geplant. Daraus wurde wahrscheinlich nichts, denn das Dörfchen umfasste nur 8 bis 9 Höfe und damit lediglich 60 bis 70 Einwohner.
Diese gingen einfach mit nach Röppisch in die Kirche, da sie offensichtlich insgesamt mit zu Röppisch gehörten. Eigenartig ist noch, dass das Stück Kirchholz der Kirchgemeinde Röppisch mit 1,33 ha auch im Flurteil Hohndorf liegt. Eine Erklärung dafür wäre, die feudale Aufteilung der alten Flur Röppisch war schon vor der Kirchenorganisation abgeschlossen. Da war es einfacher, im Hohndorf eine Fläche zuzuweisen. Ob es dafür einen Größenschlüssel gab, ist nicht bekannt. Aber die Größen der beiden Waldstücke widerspiegeln auffällig das Größenverhältnis von Röppisch zu Hohndorf, nämlich 3:1. Sogar der „obligatorische Kirchsteig“ – der kürzeste Fußweg zur Kirche – ist nachvollziehbar. Er führte von der Häuserzeile in der heutigen „Beerleit“ ins Tal („Fichtig“) und weiter über den „Ameisensteig“ ins Dorf Röppisch. Die Länge beträgt nur rund einen Kilometer.
Genauere schriftliche Nachrichten darüber werden kaum noch auffindbar sein, da der 30-jährige Krieg fast alle Unterlagen des Pfarramtes Zoppoten vernichteten. Erst nach 1650 setzen zögerlich wieder Nachrichten ein. Um 1690 ist die Ordnung wieder hergestellt.
Nachweisbare Baumaßnahmen:
1596 850 neue Dachschindeln und neue Stricke für die Glocken
1621 Das Pfarrhaus Zoppoten wird neu gebaut. Die Baukosten betragen 200 Gulden, davon zahlt Röppisch 80 Gulden.
1626 Reparatur Aufhängung der großen Glocke
1628 Erneuerung von Haspel und Schwengel der kleinen Glocke
1651 Anschaffung einer neuen Glocke (die Röppischer scheinen den Krieg glimpflich überstanden zu haben)
1652 24/13/6 Beitrag „zum neuern Glocken“
1655 Errichtung des Altar 90/0/7 Umbau und Reparatur – u. a. (Gots Vatter ist Hans Pasold; als Schreiber hilft Lehrer Dittmar). 1100 Ziegel von Ziegelei Hans Lang bei Pöritzsch. Viele Nägel und diverse Bretter, Täfelung der Decke durch Tischler aus Saalburg „Schwelbogen samt Obertür“ durch Maurer Köchel und Groh. Vorhäuslein und Gewölbe im Tor, Kanzel, Treppe und Altar, Änderung Beichtstuhl durch die Zimmerleute Pöhlmann und Völckel
1656 „Bewahrung“ der Kirchtür (Schmiedearbeiten)
1664 1000 Dachschindeln und Nägel
1678 neue Kanzel
1684 Reparatur und Vergrößerung
1686-90 2500 Dachschindeln und Nägel
1709 Glocke; in Schleiz gegossen von Meister Balthasar Platzer aus Eger
1710 2050 Schindeln und Nägel; Überarbeitung der Kirchenmauer durch Maurermeister Sänger aus Ebersdorf; Kirchenfenster durch Glaser Oelschlegel aus Saalburg; Decke täfeln durch Tischler aus Saalburg
1711 Reparatur und Vergrößerung
1729 Kirchhofsmauer gemacht durch Maurer und Zimmerleute und Überarbeiten des Dächleins incl. 1400 Schindeln
1798 Taufstein gestiftet
1813/14 Verlegung des Friedhofes vom Kirchhof zum jetzigen Standort, aufgrund von Platzmangel.
1888 Reparatur und Vergrößerung:
Die Kirche erhält ihr heutiges Aussehen. Der alte Turm wurde am 21. Juni abgetragen. Der Friedhof wird zum jetzigen Standort verlegt.
Kirche vor 1888
1920 Wurde die im 1. Weltkrieg eingeschmolzene Glocke von der Firma „Franz Schilling und Söhne, Apolda“ neu gegossen.
Die Inschrift:
„Für die im Krieg geopferte Glocke von 1855“.
1927 Renovierung innen
1949 Neue Glocke, gegossen von der Firma „Franz Schilling und Söhne , Apolda“. Die Inschrift lautet: „Maron Atha 1. Kor. 16.22.“ übersetzt „Unser Herr kommt“
Die Vorherige wurde am 6. Januar 1942 (Zeit von Stalingrad) abgehängt und danach eingeschmolzen. Es ist die kleinere Glocke gewesen.
1983/84 Kirche und Umfassungsmauer werden neu verputzt
1995 Das Dach wird gedeckt, „Knopffest“.
2001 Renovierung innen und Installation einer neuen Orgel; Weihe am 31.10.
2002 Einbau einer neuen Turmuhr und Elektrifizierung des Geläutes
Kolloration um 1900
Aufstellung der Pfarrer:
1325-1345 Henricus de Zoppoten
1360 Otto von Kozkode
1360-1420 Nicolaus von Kospoth Techant
1420-1493 Otto von Kospoth
1493-1533 Kaspar Winter
Nicolaus Arnold Kaplan
1534 Reformation in Reuß ältere Linie
1534-1544 Johann Obsee
1545-1548 Christoph von Watzdorf
1548-1575 Friedrich Lange
1575-1607 Johannes Fischer
1608-1620 Conrad Hörel
1621-1638 Georg Arnoldt
1638-1649 Henricus Horn
1649-1651 Adam Koppe
1651-1692 M. Christian Jhering
1693-1731 M. Nicolaus Wächter
1731-1758 M. Andreas Laurentius Feiler
1758-1763 Heinrich Gottlieb Daniel Feiler
1763-1800 Georg Joachim Frank
1800-1815 Heinrich Friedrich Hofmann
1815-1866 Karl Heinrich Hofmann
1866-1867 Gottlieb Schwalbe Vikar
1867-1885 Heinrich Schott
1885-1887 Albin Frank Vikar
1887-1905 Ludwig Wendel
1905-1937 Friedrich Adler
1938-1945 Paul Schwendel
1945-1959 Gustav Jache (Umsiedler aus Küstrin an der Oder)
1960-1966 Eberhard Zeuner
1966-1968 Vertretung durch Pfarrer Döhring aus Ebersdorf
1968-1973 Eckardt Vogel
1973-1976 Vertretung durch Pfarrer Jaeckel aus Remptendorf
1976-1996 Michael Thurm
1996-2007 Matthias Zierold (wurde später Probst in St. Petersburg
2008 Stefanie Möller (verehelichte Ladwig)
Anmerkungen:
Techant Leiter eines Kirchspieles, wenn es mehrere Geistliche sind
Vikar Stellvertreter
Kaplan Hilfsgeistlicher
Zur ursprünglichen Ausstattung der Pfarrstelle gehörte ein „Pfarr – Guth“ in Zoppoten mit 28,75 ha (1755); heute der Hof Werner (unterhalb des Pfarrhauses). Röppisch war dienstbar mit 36,4 ha, verteilt auf die Höfe Nr. 8 und Teile der Nr. 9 und 34.
Der Nachbarort Pöritzsch hatte keine Kirche. Im Jahre 1505 stiftete ein von Draxdorf eine „Annen – Kapelle“, die jedoch um 1600 wieder verfallen ist.
Stiftungen für die Kirche von Röppisch:
1697 Kelch Elisabeth Magdalena von Gündderrott (Unter-Zopp.)
1703 Taufschale Caspar Höpfner Bauer auf Nr. 50
1783 Altarbekleidung Juliana Albertina von Reitzenstein (Unter-Zopp.)
Kirchenorganisation nach der Reformation (einige Auszüge):
Universitätsbildung wurde Pflicht für Pfarrer
Vergütung der Pfarrer um 1550: 50 – 60 Gulden und Naturalien
Unterhaltung der Gebäude durch die Kirchgemeinde.
Wesentliche Auszüge aus der jährlichen Rechnungslegung
Die Rechnungsführer hießen anfangs Gots-Vatter und später Kasten-Vatter und verrichteten die Arbeit für mehrere Jahre oder es ging reihum wie von 1663-1795. Dabei konnte man sich vertreten lassen. Es gab ein geringes Entgelt z.B. 1721 Andreas Pöhlmann 4 Groschen im Jahr.
Beispiele:
Tagelohn eines Handwerkers um 1700 = 5 Groschen
Währung: 12 Pfennig = 1 Groschen
20 Groschen = 1 aßo / Taler / Gulden
1779 Erneuerung der Kirchenuhr, Uhrmacher Carl aus Gefell, Preis 48 Reichstaler und die alte Uhr, davon 46 von Reizenstein
1806 Beginn Schiefereindeckung, vermutlich nur das Schiff; 150 Zentner Schiefer aus Lehesten geholt; 1500 Nägel; 125 / 11 / 6 Kosten incl. 2 Schock Bretter vorrichten und verarbeiten (Windbruch im Kirchenholz)
1809 Schindeln und 1500 Nägel, vermutlich für den Turm
1814 Verlegung des Friedhofs zum heutigen Standort wegen Enge
Steinsäulen mit Staketenzaun von Regierung gefordert
Entschädigung des Lehrers Henninger für den großen Teil des Schulfeldes
1855 25Gulden für neue Glocke (Beitrag auf Weisung der Kirchenleitung). Diese Glocke wird im 1. Weltkrieg eingeschmolzen.
1533 „Visitation“ des Kirchspiels Zoppoten:
Pfarrer ist Caspar Winter
Lehnsherr ist der Landcomptur zu Zwätzen (bei Jena)
Eingepfarrte Dörfer: Pöritzsch, Röppisch (Ropitsch) mit capell
Schönbrunn (böhmisch Lehen)
Kaplan zu Zoppoten ist Nicolaus Arnoldt, erhält 3 ½ Gulden von Caspar von Draxdorf und hält jede Woche 1 Messe in Zoppoten und Pöritzsch.
Pfarr-Einnahmen:
Zins: 13 ½ Groschen 7 ½ Pfennige und 2 ½ Scheffel Korn sowie 2 Weihnachtssemmeln für 3 ½ Groschen
Frohn: 20 Tage mit Pferden; 3 ½ Tage mähen (Gras); 3 ½ Tage „Haberhauen“ und schneiden (Getreide)
Korndecem: (Körner ohne Stroh) 23 ½ Scheffel Korn, 22 ½ Scheffel Haber (Hafer)
Pfarrgut:
Ackerbau: ½ Hufe Lands (unklare Größe – vielleicht 6-9 ha.) mit 2 ½ Scheffel Korn über den Sommer, 2 ½ Scheffel Gerste und 7 ½ Scheffel Haferfeld
Wieswachs: 9 Fuder Heu und 1 ½ Fuder Grummet
Inventar: 2 ½ Kühe
„Visitation“ 1543:
„Pfarrer Herr Caspar Winter von Neustadt (a. d. O.) ist ungeschickt befunden, hat zwo verdächtige Personen. Darumb ist er abgeschafft.“
„Verordnet ein Sonntag um den andern Zoppoten früh Messe, nach mittag zu Röppisch …, der gleichen in der Woche je 1 Tag den Katechismus predigen…“
Inventar: 6 ½ „Kue“ (Kühe)
Kirche und Schule
Anhang zur Kirche
Die neue Glocke wurde 1949 in Auftrag gegeben.
Am 12. April 1950 lieferte die Firma Franz Schilling Söhne aus Apolda die Glocke an. Unser Schmied, Otto Fröhlich, erstellte die Aufhängung für ganze 16,- Mark.
Die Gussmasse stammte von einer anderen beschädigten Glocke aus Thüringen und wurde vom Landesbischof zugewiesen.
Alles zusammen kostete 703,50 Mark, aber es wurden 250,- Mark Nachlass gewährt. Die Kirchgemeinde zahlte endgültig 453,50 Mark.
Die Sammlung im Dorf hatte aber 900,50 Mark erbracht, so dass ein schöner Überschuss im Kirchkasten blieb.
Der neue Schmied, Kurt Graf, trug im wahrsten Sinne des Wortes die Hauptlast beim Transport der Glocke auf den Kirchturm.
Bereits zwei Jahre später, am 19. Juli 1952, ließ die Kirchgemeinde eine Gedenkplatte aus Marmor für die Toten des 2. Weltkrieges im Kirchenvorraum anbringen. Hierbei wurde auch der Angehörigen der Umsiedler gedacht. Hergestellt wurde sie im VEB Marmorwerk Saalburg für 1 047,60 Mark. Die Gesamtkosten betrugen 1 158,78 Mark. Die Sammlung in der Gemeinde erbrachte 1 145,70 Mark. Beide Ereignisse zeigen anschaulich den Gemeinschaftssinn der Röppischer.
Ein beachtlicher Teil der Umsiedler war katholischen Glaubens. Heiratswillige Katholiken mussten „umschulen“, z.B. Ernistine Klötzer, Herbert Kiesel, Irmgart Ackermann und andere.
Das Dorf Röppisch war ab der Reformation zu 100 % evangelischen Glaubens.
Heute sind nur noch geringe Mauerreste des Klosters zu sehen, aber selbst diese lassen einen respektablen Steinbau erahnen. Das Kloster lag östlich der Saale am Fuße des Kulmberges und grenzte mit seinem Besitz an die Gemarkung Röppisch. Es besaß Land im Flurteil Hohndorf mit den Bezeichnungen „Kösperleithe“, „Klosterleithe“, „Frankental“, „Altes Schloss“ und „Frauenwiesel“.
Zudem schenkten die Herren von Gera im Jahre 1325 dem Kloster 4 ½ Zinsbauern aus Röppisch. Hier heißt es im Original: „… In Reuz 4 ½ Mansen bezahlen 2 ¼ Mark, diese (Höfe) bewirtschaften Albert Wibel, Hermann vorn Richzen, Conrad sein Bruder und der Hirte. Ebenso hat zuvor einer von Draxdorf dem Kloster eine Manse geschenkt…“ (2 ¼ Mark waren ca. 500 gr. Silber.) Später kamen weitere Abgaben hinzu.
Diese Bauern behielten ihren Status als Kloster – später Pfarrbauern bis zum Ende der Feudalzeit um 1850. Es sind dies die heutigen Haus Nr. 1-3 und 6-8 in Röppisch.
Als 1356 zwei Brüder von Draxdorf dem Kloster einen dritten Altar stifteten, wurden 13 Zinsleuten aus Röppisch von den jährlichen Kosten 1 Mark, 5 ¼ Pfund Wachs und verschiedene Naturalien aufgebürdet. Vermutlich waren das alle ihre Lehnbauern in Röppisch.
Der Baubeginn des Klosters war kurz nach 1300. Beendet wurde der Bau um 1318. Da aber schon 1311 erste Ablassbriefe nachweisbar sind, dürfte es bereits mit ersten Kräften gearbeitet haben. Das Nonnenkloster hatte mit dem Landesausbau nichts mehr zu tun. Es diente vielmehr der Versorgung „überzähliger“ Töchter des hiesigen niederen Adels. Diese konnten sich hier „einkaufen“. Standesunterschiede wirkten entgegen der eigentlichen Regeln innerhalb des Klosters weiter. Vorgesehen waren offensichtlich Prior oder Priorin, drei Geistliche und rund 20 Nonnen. Der zuständige Bischof von Naumburg beauftragte den Abt des Mönchsklosters Bosau bei Zeitz (gegründet 1114) mit der Oberaufsicht. Dazu machte der Abt jährlich eine Visitation von einer Woche Dauer. Das Klostergut musste ihn mit einem Pferdegespann holen. Er blieb 3 Tage, besichtigte das Kloster und befragte die Insassen. Dabei erfuhr er alles, denn die Nonnen beschwerten sich heftig übereinander. Der Abt traf seine Festlegungen und wurde wieder nach Zeitz gefahren. Die Handelsstraße Nürnberg – Leipzig führte unmittelbar vorbei. Zum Kloster gehörte das Klostergut mit 14 weltlichen Personen. Dorthin hatten die Klosterbauern ihre Abgaben zu liefern bzw. war dort die Fronarbeit zu leisten.
Beispiele anderer Stiftungen:
1318 Das Kloster erhält eine Mühle an der Saale
1318 Die Vögte vergeben rund 20 ha Wald am Kulm und die Fischereirechte in der Saale von der Mühle bis zum Retzschbach.
Wirtschaftliche Grundlagen des Klosters:
Das Eigengut des Klosters (Stand von 1531)
Das Gut war von der „Bede“, derLandessteuer, befreit. Hier arbeiteten 14 weltliche Personen, ein Hofmeister, ein Fischer, 12 Mägde und Knechte.
Die meisten Flächen lagen um das Kloster herum, aber auch in Gräfenwarth und „auf dem Hohndorf“. Dort wird ein „Haferfeld“ von über 3 ha genannt.
Die Viehhaltung umfasste 36 bis 40 Kühe, 30 bis 40 Schweine, Geflügel, 8 Wagenpferde und 1 Reitpferd. Eine Schafherde von 350 bis 450 „Nößern“ steht in Gräfenwarth.
Gemäß der Dreifelderwirtschaft kennt man „Dungfeld“ (für Weizen, Gerste und Roggen), „Haferfeld“ und „Brachfeld“. Die Saisonarbeiten, besonders das Ackern und Mähen, hatten vorrangig die Untertanen in Fronarbeit zu leisten. So standen dem Gut 175 Tage Pferdefron zum Ackern zu. Aus Röppisch mussten 3 Fröner 8 Tage in Gräfenwarth ackern und in Handfron jeweils 2 Tage mähen, heuen und Hafer hauen.
Dem Kloster gehörte ein kleines Weingut in Beutnitz (zwischen Jena und Apolda). Jedes Jahr mussten die zwei Klosterbauern aus Volkmannsdorf dort den Wein holen.
Die Waldnutzung umfasste Bauholz, Schindelholz, Brennholz und die Gewinnung von Harz, Pech und Holzkohle. Gegen Gebühr konnte Leseholz geholt und Waldweide betrieben werden.
Bier wurde selbst gebraut und war das Alltagsgetränk für Jung und Alt. Dabei war „Koffendt“, ein 2. Aufguss der Trebern, für die Niederen und Armen gedacht.
Trotzdem bleibt der „Zehnt“ der Klosterbauern die wichtigste Einnahme.
Bereits 1325 hatten die Vögte und ihre Vasallen rund 40 Zinsbauern gestiftet. Im Laufe der Zeit kamen weitere hinzu. Neben den oben genannten Fronen waren 1531 zu liefern: 150 Gulden zu zahlen.
Dazu kamen: 88 Schock Korn, 16 ½ Schock Weizen, 57 Schock Gerste, 33 Schock Hafer, drei Fuder Erbsen, 7 Schock „Heidekorn“ ?, 6 Fuder Wicken und 250 Risten Flachs. (Mit Schock sind 60 Garben gemeint; Schock und Fuder deuten an, dass diese Mengen vom Feld weg geliefert werden konnten und das Klostergut selbst drosch.)
Geldgeschäfte, Schreibarbeiten für Andere und die Gebühr, die der Sohn eines Bauern beim Antritt seines Erbes zu zahlen hatte.
z.B. 1365 von Machwitz zu Gräfenwarth borgte 600 Gulden im Kloster und zahlte dafür 1394 noch 30 Gulden Zinsen. Insgesamt hatte der Adel häufig Geldsorgen.
Da es außerhalb der Klöster kaum Schriftkundige gab, war das Erstellen von Schriftstücken eine wichtige Einnahmequelle. Schon 1365 erscheint eine Kuriosität im Schreibstil = „schollen“ statt sollen oder „Äbtischin“ statt Äbtissin u.a.
Nach der Reformation in Reuß ältere Linie 1534 wurden im Rahmen der Auflösung des Klosters die bisherigen Klosterbauern in Röppisch neu aufgeteilt. Abgaben und Verpflichtungen blieben allerdings. Die Höfe 1-3 blieben vorerst dem Klostergut verpflichtet und gingen um 1590 direkt an die Herren von Gera. Höfe 6 und 7 kamen zum Rittergut Ebersdorf. Hof Nummer 8 wurde dem Pfarre in Zoppoten zugeteilt, der schon immer über den Hof 9 verfügte.
Ein Vorteil für die Klosterbauern war, dass bei Lieferproblemen oder o.ä. durch das Klostergut Nachsicht geübt wurde, allerdings nicht bei Fronarbeiten.
Hierzu gibt es für die nähere Umgebung wenige Nachrichten. Ledigliche eine Abordnung aus Saalburg sei nach Plauen gereist, um sich zu informieren. In Schleiz traten einige „Schreier“ auf, die das Kloster bei Saalburg stürmen wollten. Aber das war ihnen dann zu weit und so plünderten sie nur den Pfarrhof in Oettersdorf. Der Herr von Gera (Reuß) stellte mit wenigen Leuten die alte Ordnung wieder her.
1325 Dem Kloster gestiftete Zinsbauern durch die Herren von Gera:
Albert Wiebel vermutlich Nr. 1
Hermann vorn Richzen Nr. 2
Konrad vorn Richzen, sein Bruder Nr. 3 und Nr. 6
Nicht namentlich überliefert ist der Hirte (vermutlich Nr.7) und ein vorher durch von Draxdorf gestifteter Zinsbauer (Nr.8) ; insgesamt 5 Klosterbauern mit 4½ „Mansen“. Diese saßen alle auf dem „Schloßberg“ in Röppisch.
1356 Die von Draxdorf auf Pöritzsch („Porecz“) stiften dem Kloster einen 3. Altar. Die Kosten dafür werden den Zinsbauern umliegender Dörfer aufgebürdet. Für Röppisch werden genannt:
Konrad Dietzschen Sohn,
Schumann
Konrad Ritzen
Heinrich Herlsdorfer
Katharina Grelinorter
Schilling
Walter
Hermann Zodelot
Hermann bei dem Tor
Hans Katharinä Sohn
Hermann Kerl
Albrecht Zodelot
Heinrich des Langen Sohn
Das waren alle seine Untertanen in Röppisch.
1481 Nickel Bayreuther ein Zinsbauer des von Draxdorf liefert 2 Scheffel Korn an den Frühmessner von Saalburg.(Nr.50 ?)
1534 Nach derReformation werden die zu dieser Zeit 26 Lehnbauern
in Röppisch neu aufgeteilt. (Namen siehe gesonderte Liste.
1540 N. Horn; dasselbe wie Bayreuther im Jahre 1481.
1594 Einige „Amtsbauern“ der Reußen haben eine „gesetzte Fron“ in Gräfenwarth sowie Abgaben in Geld und Naturalien zu bringen. (Haus.-Nr. 1; 2; 5; 9; 3; 4)
Von Hohndorf blieb nur der Name eines Flurteiles in der Gemarkung Röppisch. Ein Großteil der ehemaligen Feldflur ist längst wieder bewaldet, aber die Feldraine sind noch deutlich zu sehen. Die Flächen gehören heute zumeist Bürgern von Röppisch und Pöritzsch. In diesem Flurteil liegt am äußersten Ende noch das Bodendenkmal „Altes Schloss“.
„Altes Schloss“ und Hohndorf haben aber offensichtlich weder zeitlich noch räumlich zusammengehört ( siehe Anlage „Altes Schloss“). Feudalrechtlich hatte das Rittergut Pöritzsch das Sagen über die dortigen Flächen.
Einzige Nachrichten zu Hohndorf:
1325 In Raila wird ein Zinsbauer Heinrich von Hohndorf genannt.
1501 Von Draxdorf auf Pöritzsch wird mit der Wüstung Hohndorf belehnt.
1505 Von Draxdorf „verkauft 3 Güther“ von Hohndorf;
1559 Heinrich VII (Reuß) belehnt die Brüder Christoph und Karl vonDraxdorf mit Hohndorf; diesmal ausdrücklich als Wüstung bezeichnet.
In den Klosterannalen wird der Begriff Hohndorf nur noch als Flurbezeichnung verwendet.
1755 werden im Zinsregister Aussagen zur Fläche gemacht (umger. in ha):
-Flurteil Hohndorf gesamt 217 ha
-davon Adel und Kirche 91 ha “Ebersdorfer Holz“ und „Kästlerleithe“
Für den Ort Hohndorf verblieben demnach 126 ha (Feld, Wiese, Holz).
1792 nennt eine Saalburger Flurkarte im Hohndorf umgerechnet 50 ha, die von Röppisch aus landwirtschaftlich genutzt wurden. „… Koppeltrift und in sich haltenden Acker, 151 3/8 Acker 12 Ruthen 4 Fuß, welches nach Röppisch gehört“.
Die übrigen Flächen waren nach der beiliegenden Karte bereits wieder bewaldet.
2002 wurden gerade noch 28 ha landwirtschaftlich genutzt.
Beim Gedanken an ein solches Dorf sollte man romantische Vorstellungen von einer idyllischen Streusiedlung im Wald vergessen. Ein Dorf brauchte neben Wasser vor allem genug Platz für die Hofstellen (Wohnhaus, Stall, Scheune und Garten) sowie genügend Nutzflächen, denn die Hektarerträge lagen nur bei 5 dt. Getreide – echt ökologischer Landbau! (heute bis 50 dt).
Davon mussten die Familie (7-9 Personen) leben und die Abgaben gebracht werden. Damit hätte der Ort 60 bis 70 Einwohner gehabt. Für Handwerk und Gewerbe war der Ort offensichtlich zu klein.
Die feudale Aufsiedlung folgte eigenen Zwängen und Regeln. Die Endung ….dorf und die geographische Nähe zum deutschen Altsiedelland deuten auf eine planmäßige Anlage im 12. Jahrhundert hin. Schon im Jahre 1109 forderte der für die Gegend zuständige Bischof von Naumburg (Mark Zeitz) Siedler aus Franken an. Er bot außer der Hofstelle noch rd. 14 ha Land.
Die wesentlichsten Ursachen für das Wüstwerden von Hohndorf kommen im folgenden Bericht zum Ausdruck:
Im Jahre 1616 erfolgte eine Teilung unter den Reußen. Reuß Ä. L. erhält u.a. Zoppoten und Röppisch mit dem Großteil der Flächen der Wüstung Hohndorf.
Ein Fachmann, Theodor Ludwig, soll prüfen, ob sich das Hohndorf besser verwerten ließe. Man denkt an ein Vorwerk, zu betreiben mit zwei Paar Ochsen und zwei Knechten. Standort sollte offensichtlich die alte Stelle der Wüstung Hohndorf in der heutigen „Beerleit“ werden.
Bericht vom 5. April 1617:
Ludwig hatte die Gutspächter von Zoppoten und Pöritzsch sowie die Ältesten von Röppisch befragt. Hier der verkürzte Bericht dem heutigen Sprachgebrauch angepasst.
Der Aufbau wird statt 500 etwa 1000 Taler kosten. Die 400 Stämme Bauholz müssten aus dem Wald bei Zoppoten für Lohn geholt werden, da kurz zuvor die Bauern von Röppisch ihre Fron gegen Geld abgelöst hatten. Das Holz der Reuß Ä.L. in Hohndorf war nach einem Windbruch „abgehieben“ und als „Schwemmholz“ (Flöße) verkauft worden.
Grund und Boden sind schlecht = „grießig“ (steinig?), bei Nässe ersäuft und bei Dürre verbrennt alles. Eine Besserung könne 6-8 Jahre dauern. Benachbarte Bauern lassen ihre Felder 2-3 Jahre brach liegen und können dann nur Korn (Roggen) oder Hafer anbauen; Gerste oder gar Weizen tragen die Felder nicht.
Benötigt werden drei Paar Ochsen mit drei Knechten, die für weniger als 100 Taler pro Jahr kaum zu halten wären.
Es gibt zu wenig „Wieswachs“; Heu müsste zugekauft werden.
Ein großes Problem wäre das Wasser; es ist nicht nachhaltig. Gleich „vorn im Anfang“ gebe es welches, aber es müsste mit Röhren herangeschafft werden. Ohne die Röhren koste der Röhrenmeister mindestens vier Taler.
Offensichtlich war durch die Rodung im 12.Jahrh. der Grundwasserspiegel abgesunken und die Zeit zur Humusbildung hatte nicht ausgereicht.
Vermutlich waren daher 1325 trotz unmittelbarer Nachbarschaft keine brauchbaren Höfe für eine Stiftung an das Kloster vorhanden.
Insgesamt rät Ludwig vom Plan des Vorwerkes ab, da die Reußen ihre Gelder nicht wiedersehen würden. Schließlich wurde eine Mühle bei Zoppoten errichtet, da diese nach Ansicht des Ludwig mehr einbrächte.
Bestätigungsbrief des Bischofs von Naumburg von 1447
„ Zu dem Remptendorfisch Vicariat und Einkommen sind vermöge des Bischofen von Naumburg am 20. April 1447 darüber gegebene Bestätigungsbrief gewidmet worden“:
Erstlichen im Dorfe Pöritzsch an Geld-Zinsen: 7 aßo von Thomas von Draxdorf, die er aus seinem Gut gewilligt. Es folgen 8 Untertanen von ihm offensichtlich aus der späteren Wüstung Hohndorf.
2 aßo durch Hans Schmied
1 aßo durch Jobst Pasold
2 aßo durch Veit Hempel
2 aßo durch Hans Türolf
1,5 aßo durch Heinz Escher
1,5 aßo durch Hans Hempel
1,5 aßo durch Klaus Top ?
2 aßo durch N. Sieber
(aßo: später Gulden bzw. Thaler)
Zu Remptendorf an Geld- Zinsen:
4,5 aßo Conradt von Machwitz jährlich aus seinen Gütern. Dazu etzliche Äcker und eine Behausung auch durch Conradt von Machwitz, letztlichen eine Wiese und Gehölze ufn Rödern gelegen von Hans Krauß.
Und damit nun diese Stiftung ganz frei und von manniglichen unbeschwert bleiben möchte. So sind durch derselben fundators (Stifter) dem Pfarrherrn zu Friesau Herrn Johanni und allen seinen successoren (Nachfolger) Remptendorf vor ihr Interesse 10 aßo gezahlet worden, dergestalt, das er forthin wegen gemelten Altars zu Remptendorf, der zu seiner Parochie ufgerichtet, nichts weiter zu fordern noch zu gewarten habe. Doch soll der Altarist zu Remptendorf dem Pfarrherrn zu Friesau in Ausstandung der heiligen sacramentes ufn Notfall beizuspringen, das gereichen an den Kestenn und processiona (Umzüge) sofern er nicht aus erheblichen Ursachen verhindert wird, mit ihm in den Chorstock zu gehen, schuldig sein .“
Anmerkung: Dieses Schreiben selbst wurde erst 1601 neu aufgenommen und ist so erhalten geblieben.