Reußen

Dieses Adelsgeschlecht bestimmte über 600 Jahre lang maßgeblich die Geschicke unserer näheren Umgebung.

Der Stammsitz war das Dorf Weida bei Mühlhausen/Thür. (heute wüst). Die alten Sachsen-Könige holten Ministeriale aus ihrem ursprünglichen Machtbereich.

1115           Ein Ruzze von Plauen kämpft an der Seite seines Markgrafen am Welfesholz bei Hettstedt. Die sprachliche Verwandtschaft zu „Ruceschesece“ (Rauschengesees, 1120 genannt) liegt nahe.

1122           Der Ministeriale Erkenbert von Weida tritt als Zeuge im Zusammenhang mit der „Gau-Kirche“ Plauen auf. Er ist Lehensmann der Grafen von Everstein zu Plauen.

1139           Heinrich von Weida (das heutige gemeint) verkauft in seiner alten Heimat Land und eine Mühle für damals 5 Mark an das Kloster Volkenroda.

1143           Mit Heinrich dem I. von Weida setzt sich der Leitname „Heinrich“ durch. Er soll Vogt in einem „Rutzenland“ gewesen sein; Lage unklar, aber vermutlich im Oberland.

Um 1160 vergibt Kaiser Friedrich Barbarossa das Land beiderseits der Weißen Elster an die Vögte von Weida als Reichslehen. Von 1163 –1193 errichten diese die Osterburg in Weida als Stammburg. Bereits 1209 erhält Weida das Stadtrecht.

Um 1200 herrschen die Vögte über Gera, Ronneburg, Weida, Greiz und Plauen bis Asch. Sie haben neben der Grundherrschaft noch die „Regalien“ = Heerbann, Blutbann, Zoll, Steuern, Münze, Bergrecht, Fischerei und die „Hohe Jagd“.

1241-1249 ist ein Heinrich von Weida zeitweilig Landmeister des Deutschen Ordens in Ostpreußen.

1240/44     Teilung der Vogt-Linien in Gera, Weida, Plauen.

Schon 1266 taucht bei den Vögten von Plauen der Titel Heinrich Reuß (in verschiedenen Schreibweisen) auf und 1306 nimmt bei einer Teilung der Linie Plauen/Greiz einer offiziell den Titel Reuß an. In der Zeit von 1246-1320 gewinnen die Vögte von Gera, wie oben in groben Zügen dargestellt, das Oberland mit den Gebieten um Lobenstein, Saalburg und Schleiz dazu. Im Jahre 1325 erfolgt die bekannte Stiftung an das Nonnenkloster bei Saalburg u.a. – rund 40 Zinsbauern aus einem Dutzend Dörfer der Umgebung. Darunter werden 4 ½ Mansen aus dem Dorf „Reuz“ (Recz) = Röppisch aufgeführt.

Rechtlich wird 1328 der Makel getilgt, nachdem die Reußen eigentlich noch Lehensleute der Grafen von Everstein waren.

Am 24. Juni 1329 erlässt Kaiser Ludwig IV. die „Vogtländische goldene Bulle“.

Die Vögte von Plauen, Weida und Gera werden in ihren Rechten, Lehen und Regalien bestätigt. Ihr Titel lautet jetzt „Reichsvogt“.

Ab dem Jahre 1343 kommt der Begriff „Vogtland“ auf.

Von 1354-59 gibt es einen erneuten Vogtländischen Krieg. Die Reußen störten die Handelsroute von Erfurt nach Prag und unterliegen gegen den Kaiser, die Stadt Erfurt und die Wettiner. Sie verlieren Triptis, Auma und Ziegenrück an die Wettiner.

Die Wettiner führen 1423 die Bezeichnung „Sachsen“ für ihr Land ein.

Zwischen 1531 und 1572 sterben alle Linien der Reußen außer Reuß –Plauen mit Sitz Greiz aus.

Im Jahre 1533 wird die Reformation im Reußenland unter Führung der Wettiner eingeführt. Die Nachfolgende Sequestration des Klosters bei Saalburg dauert bis 1564.

Schon jetzt erfolgt die Trennung von Saalburg (u.a. mit Pöritzsch) und Burgk (mit Röppisch und Zoppoten).

Im Jahre 1547 schlägt der Kaiser die Truppen der Reformation bei Mühlberg an der Elbe vernichtend. Die Reußen verlieren vorerst alles außer der kleinen Besitzung Kranichfeld (bei Erfurt).

1560 verzichten die Reußen und die Burggrafen von Meißen auf ihren Anteil an Nordhalben. 1564 haben die Reußen = Reuß-Plauen Sitz Greiz ihren Besitz im wesentlichen wieder. Es kommt zu einer Teilung:

Jüngere Linie (827 km²)                     Gera, Schleiz, Ebersdorf, Lobenstein und Saalburg (1572)

          Mittlere Linie                            Obergreiz starb aber 1616 aus

          Ältere Linie (316 km²)              Greiz und Burgk (u. a. Röppisch)

In diesem Zusammenhang ging die Masse des Klosterbesitzes an die Reußen in Gera über.

1596 wird die Landesteilung zw. Reuß Ä.L. und J.L. in weiteren Details fortgesetzt. Das betrifft auch Untertanen zu Röppisch und vor allem Flächen im zugehörigen Flurteil Hohndorf.

Die Verwaltung für Reuß Ä.L. im Oberland sitzt in Burgk. Ein dortiger „Amtsschösser“ (Schatzmeister) regelt Lehen, Käufe, Verkäufe u.a.m. bis zum letzten Untertan. Für Friesau, Röppisch, Rauschengesees und Zoppoten hat dieser eine Nebenstelle in Zoppoten eingerichtet; dort wird das sogenannte „Rote Buch“ geführt. Die Nebenstelle Crispendorf führt das „Grüne Buch“.

1598 kauft Reuß Ä.L. für 4521 Gulden „…Saalewiesen bei der Klostermühle unterhalb der Kospera mit allen Rechten sowie die Dörfer Remptendorf und Röppisch und die Plothener Teiche…“.

1612 verkauft Heinrich „Posthumus“ von Gera das Rittergut Unter-Zoppoten für 12500 Gulden an Heinrich den II. von Burgk u.a. mit den Fronbauern zu Röppisch, die früher zum Rittergut Pöritzsch (jetzt Reuß J.L.) gehörten. Dieser Posthumus von Gera war ein angesehener Mann im Reich und brachte später mit Geschick und Verstand die Reußischen Lande glimpflich durch den 30jährigen Krieg. Obwohl er 1635 mitten im Krieg verstarb, wirkten seine Gesetze und seine Politik weiter zum Nutzen des Gemeinwesens. Ein Vergleich der „Herdstetten“ der Herrschaft Schleiz vor und nach dem Krieg ergab nur einen Rückgang um 123 oder knapp 7%; in anderen deutschen Gebieten lagen die Menschenverluste häufig über 50%.

Selbst der kleine Ort Röppisch konnte schon 1651 eine neue Kirchenglocke anschaffen.

Im Jahre 1616 ist die Landesteilung im Reuß Ä.L. und J.L. im Prinzip abgeschlossen und hält bis 1919 – Bildung der Weimarer Republik.

Die Dörfer Friesau, Rauschengesees, Remptendorf, Röppisch und Zoppoten, also diesseits der Saale sind dem Amt Burgk zugehörig. Das Nebeneinander von Flächen beider Linien auf dem Hohndorf bleibt bestehen und ist bis heute nachvollziehbar.

Kleinere Korrekturen erfolgen: 1711 werden die „Klostergefelle“ je zur Hälfte Ebersdorf und Lobenstein zuerkannt und 1744 erfolgt ein Receß (Vergleich) betreffs einzelner Untertanen in Röppisch.

1866 stand Reuß Ä.L. auf der Seite Österreichs und musste dafür 200 000 Taler als Strafe an das siegreiche Preußen zahlen.

Reuß Ä.L. war ein selbstständiger Bundesstaat (316 km²) im Deutschen Reich bis zu dessen Ende 1919. Danach ging dieser Bundesstaat schrittweise im Kreis Schleiz, Land Thüringen, auf.

Entwicklung der Machtverhältnisse ab dem 10. Jh.

       Markgrafen Lobdeburger         Reußen

In altdeutscher Zeit wurden an gefährdeten Grenzen „Marken“ eingerichtet. Der König/Kaiser setzte „Markgrafen“ zur Sicherung der Grenzen und ggf. zu deren Vorverlegung ein. Diese hatten große Vollmachten; sie konnten das Heer aufbieten = „Heerbann“. Im Jahre 965 teilte Kaiser Otto der I. die große Mark des Grafen Gero in 4 kleinere auf. Unsere Gegend bildete nunmehr den südlichen Zipfel der „Mark Zeitz“; der erste Markgraf war Wigger.

Bereits 968 bestätigte der Papst das zugehörige Bistum Zeitz/Naumburg zur Christianisierung der Bevölkerung dieses Landes.

Nachbargebiete waren Saalfeld, Merseburg, Meißen und Bamberg.

Über längere Zeit lag das Markgrafenamt von Zeitz in den Händen derer von Groitzsch – Stammburg nördlich von Zeitz.

Diese hatten sorbische Wurzeln und trugen den Leitnamen Wiprecht. Einer besaß um 1100 viele 100 Zinsbauern in einem „Butsin-Gau“ der vermutlich im Oberland lag. Zur Machtausübung zog er Vertreter des niederen Adels heran. So kämpfte 1115 ein „Ruzze von Plauen“ an seiner Seite.

Im Jahre 1136 sterben die von Groitzsch im Mannesstamm aus. Der Kaiser besetzt diesen Posten nicht neu, da die Grenzfunktion ohnehin nicht mehr gegeben war. Die Mark Zeitz wird schrittweise bis 1180 aufgelöst. Die östlichen Teile gehen an die Wettiner in der Mark Meißen (ab 1423 auch Sachsen genannt). Den Landstreifen beiderseits der Elster von Asch bis Gera erhalten die Vögte von Weida um 1160 von Kaiser Barbarossa als Reichslehen (ab 1343 auch Vogtland genannt). Mit dem restlichen Gebiet, zwischen den Vögten und dem Thüringer Altsiedelland werden die Lobdeburger belehnt.

Diese alle hatten die Aufgabe, im zumeist vom Sorben bewohnten Gebiet die deutsche Feudalordnung und die katholische Kirchenorganisation lückenlos und endgültig durchzusetzen. Dieser Prozess verlief nicht ohne Probleme. So klagen z. B. die Mönche von Saalfeld um 1100 „… durch Auflegen des Zehnten brachte der Bischof das halbheidnische, rohe und des christlichen Glaubens fast unkundige Volk gegen sich auf….“

In den Jahrzehnten nach 1100 wurden massiv Bauern aus dem deutschen Altsiedelland (Franken, Thüringen) angesiedelt. Erst ab dieser Zeit verbessert sich für uns heute die Quellenlage, vor allem durch eine klare Zuordnung des feudalen Landbesitzes.

Der Vollständigkeit wegen muss hier deutlich gemacht werden, dass das Bistum Zeitz/Naumburg noch bis einschließlich der Reformationszeit um 1534 aktiv war.

Eine herausragende Rolle spielte das im Jahre 1114 gegründete Kloster Bosau bei Zeitz für die Christianisierung und Landesverwaltung.

Die Lobdeburger

kamen im 12. Jh. als Reichministeriale nach Thüringen. Ihr Stammsitz war Auhausen an der Wörnitz in Franken.

Im Jahre 1166 wird die namensgebende Lobdeburg bei Jena erwähnt. Sie spalten sich bald in weitere Linien auf. Die Linie Lobdeburg-Arnshaugk bei Neustadt/Orla war bereits bis Ziegenrück aktiv und erhielt 1204 das Oberland um das heutige Lobenstein, Saalburg und Schleiz als Reichslehen. Das war der südliche Ausläufer der ehemaligen Mark Zeitz. Hier war bis zur völligen Integration in den deutschen Feudalstaat noch viel zu tun. Die Lobdeburger standen in hohem Ansehen und meisterten ihre Aufgaben erfolgreich. Sie stellten sogar von 1207-23 und von 1225-54 den Bischof von Würzburg.

Zuerst errichteten sie die Burg Saalburg (bis 1216) als ihr örtliches Machtzentrum und schon 1222 wird der Ort erwähnt. Die Weihe der Kirche von Kulm im Jahre 1223 wird als ein Abschluss der Kirchenorganisation angesehen. Ihr Gefolge gründete die späteren Rittergüter in der Umgebung. Bei der Besiedlung wird zum Teil über das Ziel hinaus geschossen, so dass alleine die Großpfarrei Tanna bald neben 11 Orten noch 6 Wüstungen aufweist. Aus dem Ortsnamen Lobenstein (1250 erste Urkunde) sind die Lobdeburger unschwer herauszuhören.

Im Jahre 1240 wird ein „Territorium Saalburg“ erwähnt. Dieses dürfte sich in der 1501 überlieferten „Pflege Saalburg“ (Gerichtsbezirk) widerspiegeln. Hierzu gehörten etliche Dörfer im Umkreis der Stadt, u.a. Röppisch.

Kaum hatte sich eine eigene Linie Saalburg (inkl. Lobenstein) etabliert, starb sie um 1240 wieder aus. Offiziell fiel damit das Reichslehen an den Kaiser zurück, der es dem Landgrafen von Thüringen zusprach. Aber die Herren von Gera (Vögte, Reußen) hatten durch Verschwägerungen mit den Lobdeburgern bereits Ansprüche erworben. Heinrich der I. von Gera besaß 1246 Teile des Oberlandes von Nordhalben aus und hatte durch seine Frau Leukarda von Lobdeburg-Pausa (1254) Ansprüche auf Lobenstein, Saalburg, Tanna, Stelzen, Mühltroff und Pausa. Nach anderen Quellen soll auch Geld an die Wettiner geflossen sein. Jedenfalls übernehmen die Vögte 1276/78 Lobenstein und stellen 1279 eine erste Urkunde in Tanna aus. Die Vögte und Lobdeburger konkurrieren im Oberland. Otto von Arnshaugk überträgt 1284 dem „Deutschen Orden“ das Kirchenpatronat zu Schleiz und Heinrich der I. von Gera dasselbe für Tanna.

Den Lobdeburgern von Arnshaugk verbleibt nur noch Schleiz und Burgk im Oberland. Zu ihrem weiteren Besitz gehören Neustadt, Pößneck, Ranis, Auma, Triptis und Ziegenrück. Otto von Arnshaugk verstirbt 1289; kurz danach sein Sohn.

Jetzt sehen die Herren von Gera ihre Chance. Nur noch Schleiz und Burgk fehlen zwischen ihrem Stammland an der Elster und dem neu gewonnenen Oberland.

Ein Wettiner (Albrecht der Entartete) verwaltete nach 1289 den Arnshaugkschen Besitz.

Der erste Vogtländische Krieg, auch Bruderkrieg genannt

Als dieser Albrecht 1314 stirbt, kommt es zum offenen Kampf um das Schleizer Gebiet. Dieses hatten die Vögte von Gera bereits vorher besetzt. Dagegen entstand eine mächtige Koalition: Markgraf von Meißen, Burggraf von Nürnberg, Bischof von Bamberg und die Reußen zu Greiz.

Deren Ziel war die Eroberung von Gera und Schleiz.

Die erste Phase des Krieges scheint im Raum Schleiz stattgefunden zu haben, große Verwüstungen werden vermeldet. Einige wüste Orte sind vielleicht darauf zurückzuführen. Die Kämpfe dauern bis 1316 an. Hinzu kommt nach einer Missernte 1315 eine verheerende Hungersnot in den Jahren 1315/16, die zu einer allgemeinen Ermattung führten.

Durch Vermittlung des deutschen Königs Ludwig kommt es am 6.1.1317 in Weißenfels zum Ausgleich und Waffenstillstand. Die Vögte von Gera müssen das heute Bayrische Vogtland abtreten, Verzicht im Pleißner Land üben, die Oberhoheit des Markgrafen von Meißen anerkennen und diesem bei Bedarf 50 Ritter stellen. Ansonsten wird den Vögten ihr Besitz im Oberland inklusive Schleiz belassen.

Jetzt stehen den Vögten nur noch Albrecht und Hermann von Lobdeburg-Leuchtenburg gegenüber, die auf Schleiz und Burgk nicht verzichten wollen. Sie sammeln 1320 ihre Kräfte bei Kahla und ziehen gegen die Vögte, aber unterliegen. Dieser Endkampf könnte um die Wysburg – eine Befestigung der Lobdeburger – herum stattgefunden haben. Das Beinhaus in Altenbeuthen und dendrochronologische Untersuchungen von Bauholz auf der Wysburg – letzter Holzeinschlag 1320 – dürften Hinweise darauf sein. Im gleichen Jahr wird auf der Leuchtenburg ein Friedensvertrag zwischen beiden abgeschlossen und alle Gefangenen ausgetauscht; „Vögte und Lobdeburger vertragen sich wieder.“

Damit haben die Vögte ihren Besitz im Oberland abgerundet und gesichert. Sie bemühen sich eifrig um dessen Aufbau und Entwicklung. Eine besondere Zuwendung erfährt das neue Nonnenkloster bei Saalburg. Offensichtlich werden treue Mitstreiter gefördert, z.B. haben die von Machwitz danach umfangreiche Lehen in Unter-Zoppoten, Röppisch, Remptendorf und Gräfenwarth, andere dagegen, wie Poppo Künzel von Weisbach (Wysburg), werden zur Kasse gebeten bzw. Friedrich von Kulm stiftet gleich seinen Besitz 1318 dem Kloster.

Der interfamiliäre Streit mit den Reußen von Greiz wird später geklärt.

Anmerkung zum o.g. Beinhaus in Altenbeuthen:

Untersuchungen der Universität Jena sollen ergeben haben, dass die Toten keine Hiesigen waren. Es könnte sich um Angehörige fremder Truppen gehandelt haben, die an den Kämpfen von 1314-1320 beteiligt waren.

Röppisch  – zum Ortsnamen- (Kurzfassung)

Um 850 – Möglicherweise Robotschitsch, im heutigen deutsch = Dienstsiedlung.

Zur Errichtung, Versorgung und Besatzung einer ostfränkischen Grenzwarte – heute „Altes Schloss“, ein Bodendenkmal gegenüber der Sperrmauer – werden einige sorbische Sippen aus dem Raum Saalfeld herangeholt. Das Oberland war noch nicht besiedelt.

1071 Retzsch – nunmehr seit 919 Deutsches Reich.

In der Beschreibung der Grenze des Orlagaus bzw. des Bereiches des Klosters in Saalfeld verläuft diese unterhalb der ehemaligen Grenzwarte, zu Deutsch „Letze“. Röppisch liegt knapp außerhalb des Orlagaus, gehört zu der im Jahre 965 gegründeten Mark Zeitz und damit zum Bistum Zeitz/ Naumburg. Für diesen Grenzbach ist noch heute wahlweise die Bezeichnung Retzschbach oder Letzschbach gebräuchlich.

1325 Retzsch oder Reuz – in Altenburger Urkunde vom 24.08.1325 erwähnt.

Die Herren von Gera (Reuß) schenkten dem um 1300 gegründeten Kloster zum Heiligen Kreuz bei Saalburg 5 „Mansen“ (Zinsbauern) in Röppisch. Das sind heute die Höfe 1 bis 3 und 6 bis 8 auf dem sogenannten „Schlossberg“.

1356 Ropsch

Das Rittergut „Porecze“ (Pöritzsch) unter denen von Draxdorf stiftet dem Kloster einen 3. Altar. Für die Kosten werden auch 13 Untertanen in Röppisch herangezogen

Um 1600 hat sich der aus dem Sorbischen stammende Ortsname Röppisch durchgesetzt.

Siegel von 1891

Mögliche Entstehung des Dorfes Röppisch

Renommierte Historiker der Universitäten Leipzig und Jena sowie verschiedene Heimatforscher bescheinigen diesem Dorf ein hohes Alter aber haben Probleme mit dem Ortsnamen. In älteren Quellen (1071, 1325) erscheint als Ortsname „Retzsch“ oder „Reuz“ und ab 1356 „Ropsch“ in diversen Schreibweisen bis sich ab 1600 das heutige „Röppisch“ durchsetzt. Einzelne Historiker leiteten daraus zwei Ortschaften ab. Dafür reicht aber der Platz nicht aus und außerdem wird 1325 für Retzsch / Reuz und 1356 für Ropsch ein und derselbe Lehnbauer mit dem Namen Conrad Ritzen genannt. Naturgemäß spielt solch ein kleiner Ort in der Forschung keine Rolle und so wurde das Problem auch nicht weiter verfolgt.

Offensichtlich ist aber die Entstehung des Dorfes eng mit dem sogenannten „Alten Schloß“, einem heutigen Bodendenkmal, auf dem Bergsporn gegenüber der Bleiloch-Sperrmauer verbunden.

Dazu einige Anmerkungen zur politischen Lage im 9. Jahrhundert

Thüringen gehörte zum Ostfrankenreich und bildete für einige Jahrzehnte dessen Ostgrenze im Wesentlichen entlang der Saale. Lediglich von Orlamünde bis zum heutigen Ziegenrück wurde das Saaleknie bei Saalfeld abgekürzt. Die drei Nachfolger Karls des Großen lagen ständig im Streit und deren Reiche schwächten sich gegenseitig. Das ermunterte die sorbischen Daleminzer und Böhmen (Tschechen)  zu Beutezügen bis weit nach Thüringen hinein. König des Ostfrankenreiches war 843 bis 876 Ludwig der Deutsche. Er organisierte zur Überwachung der Grenze um 850 die „Sorbische Mark“. Als erster Herzog fungierte bis 873 Tachulf. Dessen Machtzentrum war der Raum Saalfeld. Im damals noch unbesiedelten Waldgebirge wurden an günstigen Stellen kleine Grenzwarten angelegt. Eine solche war offensichtlich das o.g. „Alte Schloß“. In Walsburg ist möglicherweise eine Nachbaranlage zu sehen. Die Altdeutsche Bezeichnung für eine solche Grenzwarte war „Letze“. Mit einem Schloss im heutigen Sinn hatte das nichts zu tun. In Holz-Erde-Bauweise entstand ein einfacher Bau mit Wachturm umgeben von einer Palisade und einem Halsgraben vom Hinterland abgesichert für eine kleine Besatzung. (Das Bild von Martin Zschächner in der Anlage soll das verdeutlichen.)

Nachempfunde Ansicht des Alten Schloßes

Selbst die Errichtung, Besetzung und Versorgung der „Letze“ war für die damalige Zeit eine Herausforderung. Dafür erforderliche Leute mussten erst im Unterland gewonnen werden. Im Raum Saalfeld und in der Orlasenke gab es ausreichend reichstreue Sorben. So wurden offensichtlich einige sorbische Sippen hier im Oberland angesiedelt. Diese konnten sich natürlich einen günstigen Platz aussuchen. Es entstand der typische sorbische Rundling um eine Quellmulde herum mit nur einem Zugang. Noch 1356 wird für Ropsch ein Lehnbauer mit Namen Hermann bei dem Tor genannt. Die sorbische Bezeichnung für einen solchen Ort war „Robotschitsch“  oder einfach „Robitsch“ . Dieser Ortsnamen wandelte sich über diverse Schreibweisen bis um 1600 zum heutigen Röppisch.

Ältere deutsche Quellen von 1071 und 1325 lassen den Begriff „Letze“ durchscheinen; 1071 Jezowa für Lätzschbach und 1325 Retzsch oder Reuz für das Dorf und den Bach. Der Bach der unterhalb in die Saale mündet heißt wahlweise Letzschbach oder Retzschbach. Dasselbe traf für die Letzsch- oder Retzschmühle zu, die ebenso im Stausee versank.

Retschmühle

Für eine enge Verbindung der ehemaligen Grenzwarte zu Röppisch spricht das alte Flurstück „Trommelschläger“. Von dort konnte bei Gefahr das Dorf vorgewarnt werden.

Zu erwähnen ist auf Grund der geographischen Nähe noch das kleine Dorf Hohndorf auf dem gleichen Höhenrücken knapp 2 km südlich des „Alten Schlosses“. Hohndorf mit acht bis neun Lehnbauern wurde um das Jahr 1300 durch das Rittergut Pöritzsch gegründet und war bereits 1505 eine Wüstung. Ein von Draxdorf zu Pöritzsch löste 1505 die letzten drei Bauernhöfe auf. Diese Flächen gingen zumeist an Lehnbauern in Röppisch und die Feldflur wurde zum Teil wieder zu Wald.  Hohndorf hatte zeitlich keine Verbindung zum „Alten Schloß“ auch wenn die Sage von einer weißen Frau dies andeutet.

Nachempfindung des Hohendorfs

Weitere Einzelheiten sind in der allgemeinen Chronik von Röppisch zu finden. 

Flurkarte von 1755